Seit der Aufklärung ist der Strand ein touristischer Sehnsuchtsort. Mit dem Aufkommen von Massentourismus und sozialen Medien haben sich idealisierte Strandbilder mit der Wirklichkeit verflochten – mit der Folge massiver Eingriffe und Umgestaltungen an Küsten weltweit. Ausgehend von dieser Vorstellung vom schönen Strand untersucht das Projekt die einseitigen Wirklichkeiten, die Reisebilder in sozialen Medien zeigen, und legt mithilfe von KI die technischen und ästhetischen Eigenschaften aktueller Bildgenerierungsmodelle offen.
Die imaginäre Landschaft, die nie erreicht wurde
Das Projekt untersucht einseitige Wirklichkeiten in Reisebildern aus sozialen Medien und zeigt technische wie ästhetische Aspekte aktueller Bildgenerierungsmodelle. Indem es Fantasien und Vorstellungen digital zusammensetzt, erschafft es ein „ideales Anderswo“, das unerreichbar bleibt. Das entstandene Modell verkörpert ein von KI geformtes kollektives Unbewusstes; die Bilder, die es hervorbringt, sind letztlich ebenso unerreichbar wie die malerischen Orte in sozialen Medien. In verschiedenen Formaten fordert das Projekt dazu auf, die Authentizität dieser Bilder und das kollektive Bewusstsein, das sie verkörpern, zu hinterfragen.
Historischer Kontext: das Strandbild als imaginäre Landschaft
Die Darstellung des Meeres in der westlichen Literatur betonte lange unbekannte Gefahren und Katastrophen. Der französische Historiker Alain Corbin untersucht in „Meereslust. Das Abendland und die Entdeckung der Küste“ (engl. „The Lure of the Sea“, 1994), wie sich die westliche Wahrnehmung des Meeres veränderte. Vor dem Mittelalter wurde das Meer häufig mit dem Unbekannten verbunden – mit Fluten, Stürmen, Ungeheuern und Unheil. Mit dem wissenschaftlichen Fortschritt der Aufklärung verlor das Unbekannte im 17. Jahrhundert allmählich an Schrecken. Als die Wissenschaft die Rätsel des Meeres zu entschlüsseln begann, wurde der Strand zum Symbol von Moderne und Tourismus; Adel und Bürgertum gründeten Seebäder, und der Strand wurde zum Sinnbild des modernen Tourismus.
KI-Verzerrungen durch soziale Medien
Das wichtigste Publikum menschlich erzeugter Texte und Bilder sind heute nicht mehr Menschen, sondern Maschinen. Computer nutzen menschliche Wissenssysteme, um Texte und Bilder zu erzeugen – doch dieses Lernen ist nicht frei von Verzerrungen. Trainingsbilder aus sozialen Medien oder Online-Bibliotheken zeigen meist makellose, helle, weiße Strände. Diese Repräsentationsverzerrung lässt den Computer Strandbilder als künstliche Kulisse begreifen. Wenn die Maschine diese Bilder verarbeitet und neue erzeugt, kommt bei der Frage, ob ein Ergebnis dem Begriff „Strand“ entspricht, zusätzlich eine Bewertungsverzerrung hinzu. Diese mehrfachen Verzerrungen führen dazu, dass Transformer-Modelle oft banale Strandbilder erzeugen.